

Holzkonstruktion für einen grünen Campus
Kollegiengebäude I der Pädagogischen Hochschule Freiburg
Ort:
Freiburg im Breisgau (DE)
Bauherr/Auftraggeber:
Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Freiburg (DE)
Architektur
Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten, Stuttgart (DE)
Tragwerksplanung:
merz kley partner ZT, Dornbirn (A)
Ausführendes Unternehmen:
Rubner Ingenieurholzbau, Augsburg (DE)
Mit dem neuen Kollegiengebäude I der Pädagogischen Hochschule Freiburg entstand im Auftrag der Vermögen und Bau Baden-Württemberg ein viergeschossiger Holzbau in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof Littenweiler. Der 52 x 42 Meter messende Baukörper ergänzt den bestehenden, parkartigen Campus und schließt das Areal – das bereits ein Studierendenwohnheim und das Kollegiengebäude II beinhaltet – nach Süden hin ab. Rubner Ingenieurholzbau Augsburg wurde mit der Realisierung des Gebäudes beauftragt.

Im Zentrum des Entwurfs von Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten aus Stuttgart steht dabei das Forum: Der Begegnungsraum dient Studierenden und Beschäftigten gleichermaßen als Ort des Austauschs und ist unmittelbar sowohl über den barrierefreien Haupteingang als auch über den südlichen Eingang vom Kunzenweg zugänglich. Rund um die begrünten Innenhöfe gruppieren sich in zwei leicht versetzten, U-förmigen Gebäudeteilen das Studierenden-Service-Center, die Studiensekretariate, Seminarräume, Büros sowie die Räume des Akademischen Auslandsamtes und des Rechenzentrums. Der ringförmige Aufbau sorgt für eine hohe Nutzungsflexibilität und viel Tageslicht.
Das rund 8.000 m² große Gebäude der Gebäudeklasse 5 ist als Holzbau konzipiert. Reiner Stahlbetonbau kommt dabei nur in den beiden Erschließungskernen zum Einsatz, wo das Material aufgrund seiner Brand- und Schallschutzeigenschaften die sinnvollere Wahl war. Der überwiegende Teil des Gebäudes hingegen besteht aus einer Holzskelettkonstruktion mit Stützen (280 x 280 mm) und Trägern aus Brettschichtholz (GL24h, mit 160 x 280 bzw. 260 x 360 mm). Balkenlagen verdichten das Holzskelett und wirken gemeinsam mit einer Ortbetonschicht als Holz-Beton-Verbunddecke. Durch die Variation des Balkenabstands lässt sich außerdem flexibel auf die unterschiedlichen Spannweiten reagieren – 5 m in den Büros, 7,50 m in den Seminarräumen. Das Dach des Gebäudes wurde als reine Holzkonstruktion ausgeführt. Für den Holzskelettbau kamen rund 160 m³ Brettschichtholz für Stützen und Unterzüge zum Einsatz. Die 3.850 m² Geschoßdecken sind Rippenplatten aus BSH-Rippen mit CLT-Platten, die vor Ort mit Aufbeton zu einer Holz-Beton-Verbund-Struktur vervollständigt wurden. Über 2.000 m² Dachelemente in BSH-Rippenplattenkonstruktion und einigen Brettsperrholzbauteilen runden die Struktur ab.
Die als hochwärmegedämmte Holztafelbaukonstruktion realisierten Außenwände wurden mit einer Fassade aus heimischer Fichte verkleidet – nur in den Innenhöfen und an Bereichen mit erhöhten brandschutztechnischen Anforderungen wurde eine Fassade aus Metall eingesetzt.
In den Obergeschossen sind die Fassaden als horizontale Fensterbänder ausgebildet, während das Erdgeschoss über großzügige, raumhohe Verglasungen verfügt. Jedes Fensterelement besteht dabei aus einem festverglasten Bereich, einem Dreh-Kipp-Flügel und einer Nachtauskühlungsklappe. Rubner realisierte hier über 1.100 m² freistehende Holztafelbauwände und 350 m² Brettsperrholzwände.
Zur umfangreichen Bauaufgabe gehörten auch die Boden-Deckelschalungen in Holz und Blecharbeiten in Brandabschnitten, Fenster und Fenstertüren, wie auch der textile Sonnenschutz mit den stilprägenden Ausstellmarkisoletten. Allein die markanten umlaufenden Vordächer summieren sich auf 700m² Brettsperrholzelemente. Auch für den fachgerechten Einbau der rautenförmigen Glasbausteine in den Brandwänden der Erschließungstreppen zeichnete Rubner verantwortlich.
Besonders anspruchsvoll war die Baustellenlogistik während der Bauphase. Bauteile auf Sondertransporten mit bis zu 4 m Breite und die Pufferlagerung nahezu aller vorproduzierter Elemente auf der sehr engen Baustelle, setzten eine akribische Montageplanung und Baustelleneinrichtung voraus.
Das Energiekonzept des Kollegiengebäudes I der Pädagogischen Hochschule Freiburg setzt auf eine Minimierung des Energiebedarfs: Eine wärmebrückenarme, luftdichte Gebäudehülle mit Dreifach-Wärmeschutzverglasung sowie weniger als 40 % transparente Fassadenflächen reduzieren demnach den Heiz- und Kühlbedarf. Umlaufende Vordächer und Markisen sorgen für Sonnenschutz, während eine mechanische Lüftungsanlage mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung und adiabater Abluftbefeuchtung für ein angenehmes Raumklima sorgt. Die 1.000 m² große Photovoltaikanlage auf dem Dach liefert zusätzlich Energie. So wurde eine zeitgemäße Holzkonstruktion mit hohem Vorfertigungsgrad geschaffen, die nicht nur den Anforderungen und Bedürfnissen der Nutzenden, sondern auch den Zielen der Holzbauoffensive des Landes Baden-Württemberg gerecht wird.













