
New Sydney Fish Market
die Entwicklung des größten Holzdachs in der südlichen Hemisphäre
Der neue Sydney Fish Market befindet sich in Blackwattle Bay, im Herzen von Sydney, und zählt zu den international bedeutendsten Projekten im Bereich des Holzbaus. Der neue Komplex wurde als offener, sozialer und zeitgemäßer Ort konzipiert, der die Identität des historischen Marktes bewahrt und gleichzeitig dessen Beziehung zum Wasser, zur Stadt und zum öffentlichen Raum neu definiert. In diesem Zusammenhang wird die große, wellenförmige Holzüberdachung zum zentralen Element des Projekts: eine ikonische Struktur, die architektonischen Wert, Umweltfreundlichkeit und ingenieurtechnische Komplexität vereint.
Die Dachkonstruktion, die von der Bewegung des Wassers und der Meereswelt inspiriert ist, prägt nicht nur das Erscheinungsbild des neuen Gebäudes, sondern erfüllt auch eine präzise technische und ökologische Funktion. Die Oberlichter bringen natürliches Licht in die oberen Etagen des Marktes und tragen zur Beschattung der Räume bei; die integrierten Photovoltaikmodule decken einen Teil des täglichen Energiebedarfs des Gebäudes; die Dachfläche ist zudem so konzipiert, dass sie Regenwasser auffängt und für die Wiederverwendung aufbereitet. Die Holzkonstruktion besteht aus Hunderten von Leimholzbalken und bildet heute das größte Holzdach der südlichen Hemisphäre.
Technische Planung
September 2022 - Dezember 2023
Die technische Planung des wellenförmigen Holzdachs erstreckte sich über einen Zeitraum von etwa 15 Monaten und erforderte die koordinierte Zusammenarbeit von 7 Teams.
Die Komplexität des Daches erforderte die Entwicklung eines hochoptimierten Tragwerkssystems, das auf einem dreidimensionalen Raster aus Brettschichtholz basiert, bestehend aus 594 Trägern, die für den Einsatz in Kombination mit hochleistungsfähigen Metallknotenpunkten ausgelegt sind.
Für den 22.000 m² großen Verkaufsbereich des Fischmarktes wurden über 110 Primärträger aus Brettschichtholz mit Längen zwischen 10 und etwa 33 Metern, etwa 100 Sekundärträger von etwa 14 Metern und fast 350 Tertiärträger von knapp unter 7 Metern entwickelt und konstruiert.


Die Planung erfolgte nach den Grundsätzen des Design for Manufacture and Assembly (DfMA), mit dem Ziel, bereits in den ersten Phasen die Aspekte der Fertigung, des Transports und der Montage zu integrieren und so Zeit, Fehler und Materialverschwendung zu reduzieren.
Die hohe Anzahl an Einzelelementen und die nicht wiederholbare Geometrie erforderten einen fortschrittlichen Konstruktionsprozess, bei dem jeder Träger als spezifische Komponente innerhalb eines koordinierten Systems modelliert, geprüft und gefertigt wurde. In diesem Zusammenhang beschränkte sich die Arbeit mit Holz nicht auf die Dimensionierung der Elemente, sondern umfasste die Definition des gesamten Konstruktionssystems, der Verbindungen und der Montagelogik.
Transport nach Australien
September 2023 – Dezember 2023
Die Logistik war ein integraler Bestandteil des Projekts: keine Nebentätigkeit, sondern eine echte Erweiterung der technischen Planung. Insgesamt 584 Träger wurden im Hafen von Monfalcone in den Laderaum eines Schiffes verladen und legten rund 11.500 Seemeilen bis nach Australien zurück. Ein detaillierter Ladeplan ermöglichte es, die Träger in genau der Reihenfolge anzuordnen, die der Montageplan vorsah, sodass sie in Sydney in der für die Montage auf der Baustelle vorgesehenen chronologischen Reihenfolge zur Verfügung standen.
Die Organisation des Seetransports und des anschließenden Umschlags in Australien wurde entsprechend den Anforderungen der Montage entwickelt, mit dem Ziel, Kontinuität, Präzision und Kontrolle in jeder Phase der Realisierung der Überdachung zu gewährleisten.


Die Montage
Mai 2024 – Dezember 2024
Die Montage auf der Baustelle begann am 9. Mai 2024 mit dem Einheben des ersten Trägers. In einer ersten Phase wurden die Kreuzstützen mit Vierwegeverbindung im oberen Bereich positioniert; anschließend wurden die 110 Hauptträger aus Brettschichtholz mit Längen von 10 bis etwa 33 Metern montiert. In Phase 3 wurden auch die diagonalen Hauptträger mit Hakenverbindung hinzugefügt.
Die Montageabfolge begann im nordwestlichen Teil des Daches und wurde schrittweise bis zur Fertigstellung des östlichen Bereichs fortgesetzt. Der gesamte Montageprozess der Holzkonstruktion erstreckte sich über etwa acht Monate und erforderte ein Höchstmaß an Koordination zwischen Logistik, Hebearbeiten, Sicherheit und Präzision bei der Ausführung.
Durch den Einsatz von vorgefertigten Elementen und Dachmodulen konnten die Montagezeiten optimiert, die Sicherheit auf der Baustelle verbessert und die Arbeiten in der Höhe reduziert werden.
Der Sydney Fish Market heute
Der neue Sydney Fish Market, der am 19. Januar 2026 offiziell eröffnet wurde, hat sich von Anfang an als eine der wichtigsten Attraktionen der Stadt etabliert: In der ersten Woche nach der Eröffnung verzeichnete er über 230.000 Besucher und mehr als 160 Tonnen verkauften Fisch, was die zentrale Bedeutung des Marktes für die lokale Wirtschaft und den Tourismus sofort unterstrich.
Bei voller Auslastung ist der neue Komplex darauf ausgelegt, über 6 Millionen Besucher pro Jahr zu empfangen, womit sich die Besucherzahlen des früheren Marktes verdoppeln und seine Rolle als internationales Reiseziel gefestigt wird.
Mit über 40 Anbietern aus den Bereichen Verkauf und Gastronomie vereint der Markt kommerzielle Aktivitäten, gastronomische Erlebnisse und öffentliche Räume und verwandelt sich so in eine offene und zugängliche städtische Infrastruktur.
Ein Projekt, das Spuren hinterlässt
Der Sydney Fish Market ist nicht nur das Ergebnis eines komplexen Bauprozesses, sondern der konkrete Ausdruck dessen, was zeitgenössisches Bauen leisten kann.
Eine Überdachung, die über die technische Dimension hinausgeht und sich in Erlebnis, Identität und städtebaulichem Bezugspunkt verwandelt. Ein Bauwerk, in dem sich ingenieurtechnische Präzision, architektonische Qualität und gestalterische Vision vereinen und etwas schaffen, das über die Summe seiner Teile hinausgeht.
Das Projekt stellt heute einen globalen Maßstab dar und zeigt, wie die Holzbauweise zur Realisierung komplexer, nachhaltiger und städtebaulich prägender Gebäude beitragen kann, die technische Leistungsfähigkeit, architektonische Qualität und sozialen Wert vereinen.


